Sebastian Porter

releases -> good times / moon

Porter ante Portas.

Diese Geschichten mag jeder: Tausche vielversprechende Karriere gegen Liebe, ein Typ, der seinen Job an den Nagel hängt und nur noch seinem inneren Trieb folgt. Das hier ist so eine. Der Typ heißt Sebastian Porter.

Hier geht?s nicht um DJ-Floskeln und Plattitüden (?Ich wusste schon als Kind, dass ich auflegen will?). Hier geht?s um Musik, um richtig guten Sound. Um komplexe Melodien und Kompositionen, harmonisch, auf den Punkt produziert. Und um einen Typen, der so viele Ebenen hat wie seine musikalischen Produktionen. Mindestens.

2010: Sebastian Porter ist 27, als er die Karriereleiter in der Finanzbranche bei ¾ wieder herunterkrabbelt und auf die Tonleiter steigt. Aufgelegt hat der studierte Wirtschaftswissenschaftler bereits während seines Jobs. Jetzt investiert er nur noch in sein Talent. Gut so! Jeder Begabte steht irgendwann vor der Entscheidung ?ganz oder gar nicht?. Die meisten verschleppen diesen Moment, und Jahre später kehrt die Entscheidung als wehmütiges Bereuen zurück: ?Ach, hätte ich damals doch??.

Aber ?hätte? ist nicht Porter. Denken und Handeln gehören bei ihm zusammen, was bedeutet: Job kündigen, Köln verlassen, nach Berlin gehen und produzieren. Nicht, weil alle nach Berlin gehen, impulsiv und verträumt, sondern klar und fokussiert. Sein Geschäft ist jetzt die persönliche Entfaltung, die Selbstverwirklichung, tiefe Leidenschaft.

Ein Jahr war er weg. Untergetaucht, ganz bei sich. Das alte Spiel: Tür zu, produzieren, probieren, Output fließen lassen. Die Tür ist jetzt wieder aufgegangen, doch man hört keine großen Reden. Schwafeln ist nicht seine Art. Stattdessen lässt der Wahlberliner seine Musik mit inzwischen stetigen Releasen auf angesehenen Labels lieber für sich sprechen. Musik, die Geschichten erzählt, die aus Überraschungen und teils unerwarteten Wendungen besteht, und das, ohne dabei an Dancefloortauglichkeit einzubüßen.

von Frank Haala @soundcloud.com/fr-nksen